Formel 1 - Old & Loud oder Hart wie Stahl


Das offizielle Gründungsdatum von Formel 1 wird mit dem 01.01.1981 angegeben. Norbert, Wolle und Paule spielten vorher bei Joco Dev (Sextett) eine in den 60/70igern ebenfalls sehr bekannten Band. Ich kenne mich in der Joco Dev Bandgeschichte nicht gut aus, aber mir fiel auf das ab Mitte der 70iger keine weiteren Songs veröffentlicht wurden, ich vermute mal, dass es da einen künstlerischen Stillstand gab,  der auch staatlich verordnet gewesen sein kann.  Weitere Informationen dazu schreibt Norbert auf http://www.pandea-music.de/norbertschmidt.html

Die ersten Formel 1 Songs wie Willste nicht uffstehn und Mensch Rosie wurden getextet von Sylvia Hahnisch, die unter dem Psyeudonym Katharina Koch, auch für die Primaner und Rockhaus arbeitete. Die Songs wurden im Berliner Dialekt interpretiert, so ungewöhnlich wie es sich für mich am Anfang auch anhörte, Formel 1 war eine Berliner Band und englische Texte, wie beim Heavy Metal üblich, waren undenkbar. Es war die Sprache der Straße, der Berliner Umganston – rauh und hart aber mit Berliner Herz und Schnauze.

Produziert wurde 1982 bei Gunther Wosylus in Kagel - die ersten Titel waren "Mensch Rosie" und "Willste nich uffstehn",ob der unauffindbare Titel "Tramperleid oder –lied" dort auch produziert wurde ist im Moment nicht nachvollziehbar.

Weitere Produktionen folgten Ende 1982 und Anfang 1983 im Rundfunk. Für mich kam 1984 mit „Da bleibt was von mir“ die erste stillistische Änderung, das war verdammt nah an Maiden dran. Ich fand schon immer „Da bleibt was von mir“ wurde immer etwas unterbewertet, der Song war dann auch nicht, mehr im neuen Formel 1 Programm zu hören. Doch egal. 18 Jahre sein – der eigentlich ein kaputtes Haus heißen sollte, aber wegen einiger Textpassagen so nicht produziert werden durfte, war für mich der absolute Hit. Ich hörte den Titel in der Beatkiste als Neuvorstellung, ich weiß noch, ich drehte die Anlage fast auf Anschlag. Wahnsinn das war Formel 1 – absolut HM zeitgemäß, die Gitarrenchorusse – besonders der Baßsoli der den Song zum Höhepunkt treibt. Ich hatte sowiso eine Schwäche für Maidens „Rime of the Ancient Mariner“ und „Hallowed by the Name“. Der Song belegte dann auch die vorderen Plätze und machte Formel 1 noch bekannter.

Dann kam die Zeit der Tropfsteinhöhle, das Tourneeprogramm hieß „Tour 85 – Der Weg nach oben“, Speedway und Wahnsinnsträume zeigten wohin der Weg ging.

Zur 750 Jahr Feier von Berlin entstand der gleichnamige Song. Damals auf meine Frage wie der Song bei Konzerten ankommt, antwortete Norbert lächelnd, das der Titel nicht zu Konzerten in der Republik gespielt wird. Ich erkläre es mal so, im Rest des Landes DDR brodelte es bereits. Die Leute waren einfach sauer. Berlin bekam Sonderkontigente mit fast allen Waren, welche es im Rest der DDR nicht gab und Berlin machte einen auf Weltstadt.

Eingesperrt im kleinen Land DDR, muggte Formel 1 kreuz und quer, keine Tour in das gelobte sozialistische Ausland. Zu ihrem eigenem Idol den Iron Maiden´s fuhr die Band zum Konzert nach Polen, als Zuschauer.

Doch trotz Behinderungen die Entwicklung ging weiter, die Musik wurde härter und schneller. Die Texte schrieb die Band jetzt selbst (Norbert), der Berliner Dialekt trat etwas in den Hintergrund, blieb aber unverkennbar. Die Themen waren nicht mehr ganz so problembezogen.

Es entstanden Hart wie Stahl und Letztes Rad am Wagen, sowie weiter neue Songs für das Programm „Die Burg“. Von einigen Titeln kennt man fast nur noch den Namen: Kreuzritter, Vorurteil ein Heavy zu sein.

1987: Große Traversen, Treppen und Podeste – es kam Bewegung auf die Bühne. Es ist sogar die Rede von einem Truck mit hydraulisch betätigter Bühne, ich weiß nicht wieviel davon Wahrheit oder Legende ist – ich konnte 1987 kein Konzert von Formel 1 sehen, die Wahrheit kam 1988 als es Formel 1 nicht mehr gab. Ich sah Wolle dann auf einem Melodie und Rhythmus Poster bei Babylon, Gerüchte gab es zwar, aber das war so etwas wie Endgültigkeit.

Als Stammbesetzung bei Formel 1 stand von Anfang an Norbert Schmidt am Mikro, Wolfgang Densky an der Gitarre, Peter Fincke hinter der Trommelbude und Detlef Dudziak am Bass. Die zweite Leadgitarre besetzte bis 1982 der Tscheche Andrej Horvath, dann Bodo Kommnick bis Anfang 1983, dann kam Reinhold Christoph Hess und es waren wohl nur ein paar Monate die Michael Sündermann bis zum endgültigen Aus die Gitarre bediente. An die Techniker möchte ich auch noch kurz erinnern. Ab 1984 waren das Karsten Hotzler und Frank Steger, die zu dieser Zeit mit 18 bzw. 19 Jahren jüngsten Roadies einer DDR Profi Band – O-Ton Norbert.

Weiter sind mir namentlich Uwe Günsch, Armin Domachowski bekannt.

Die Wendezeit brachte dann für jeden einige Veränderungen, jetzt konnte ich Iron Maiden Platten und CD´s selber kaufen. Jeder hat da ja seine Erfahrungen gemacht, was man alles braucht oder eben auch nicht.

Im Frühjar 1999 teilte mir Mario, Sir Metalgod Schob mit, das Formel 1 in Annaberg Buchholz ein Konzert spielen. Ich sagte ihm ersteinmal das ich ihm das nicht glaube, er falsch liegt (ich sagte wohl er spinnt) und das man dort sicherlich auf einer Videoleinwand Michael Schumacher´s Fahrkünste ansehen kann. Seine Überzeugungsarbeit reichte nicht, er gab mir die Telefonnummer, ich rief dort an. Mir sagte man dann wirklich, dass dort zum ersten Mal Formel 1 ein Konzert geben wird und da ich immer noch ungläubig war gab man mir sogar noch die Telefonnummer von Paule. Das Überzeugte !!! - Ab sofort wurden natürlich alle Vorbereitungen getroffen um zum Konzert zu fahren.

Im April gab es noch einmal einen Kälteinbruch und wir fuhren zu Fünft etwas langsamer in das Erzgebirge nach Annaberg Buchholz. Das erste was ich sah als wir den Saal kamen war eine kleine Bühne und dann erkannte ich Norbert, es waren zwar einige Jährchen her, aber nur die Haare waren grau geworden, Paule und Detlef waren ebenfalls noch sehr gut zu erkennen. Bei Wolle hatte ich leichte Schwierigkeiten, da er sich ganz von seiner früheren Haarpracht getrennt hatte und zu gut deutsch blank gezogen hatte. Nach ungeduldigen wartem, fast Mitternacht startete Formel 1 den Motor.Es kam eine ungeheure Spielfreude bei den 5 Herren auf. Es gab die Songs der LP, der als Leiche im Keller angekündigte Song „Wär mein Leben programmierbar“, den Kumpel Eddie und die bekannten und bewährten internationale Klassiker. Die Zeit war viel zu schnell rum, wir erfuhren das es Formel 1 noch einmal wissen will und merkten uns schon die nächsten Konzerte vor. Die ersten Konzerte wurden im guten sächsischen Metalland getestet, bevor es in Berlin am 25.12.1999 mit Pharao ein gut besuchtes offizielles Reunionskonzert gab. Leider blieb die Resonaz die sich Formel 1 erhofft hatte aus, es gab noch einige Konzerte bis in das Jahr 2001, dann stellte Formel 1 die aktive Konzerttätigkeit ein.

Was bleibt von Formel 1 ? Diese philosophische Frage paßt natürlich gut zu Da bleibt was von mir. Es ist doch ersteinmal erstaunlich, das Formel 1 nicht unbekannt und vergessen ist. Formel 1 ist immer noch ein Begriff der für guten Heavy Metal steht, ob man da nun Ost drauf schreibt ist eigentlich egal. Deutscher Heavy Metal ist da wohl treffender. Über 20 Songs entstanden, leider gab es nie eine CD auf der die im Rundfunk produzierten Songs veröffentlicht wurden, glücklicherweise gab es die LP „Live im Stahlwerk“ wenigstens noch einmal auf CD mit Bonussongs gepreßt. Bei anderen Bands erschien nach der Wende wenigstens eine Art Best of Album. Da hatte man Formel 1 wiedereinmal vergessen, übersehen, oder meinten die Plattenbosse damit ist kein Geld zu verdienen? Doch auch dem wird nun abgeholfen, Immortal Vinyl das Label für Heavy Metal, bereitet ein ultimatives Doppel Album mit allen Titeln und einigen live Raritäten vor.

Und …. Ich warte voller Freude gespannt auf das Erscheinen.

Wünsche darf man sicherlich äußern: